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WDCS Kampagne "Evolution"

Tuesday, 24. July 2007

Liebe Wal- und DelfinfreundInnen,

mein längeres Schweigen bedeutet keineswegs ein völliges Abtauchen, sondern dass nach einigen Tagen des Erholens ich mich der Vorbereitung neuer Kampagnen widmete.

Und während die Hitze in Mitteleuropa erdrückend ist und jeder sich hier nach Wasser, dem Element, das auch der Lebensraum von Delfinen ist, sehnt, gehen wir mit unserer Kampagne „Evolution“ in die Offensive. Der Lebensraum von Delfinen wird immer stärker von uns Menschen beeinflusst und verändert:

Die Meere werden lauter.
Die Meere werden giftiger.
Die Meere werden leerer.

„Die Evolution kann Delfinen nicht helfen, Sie schon.“

Dank der Unterstützung der WALL AG ist in einigen deutschen Städten in den Sommermonaten die Kampagne prominent vertreten.

Mit dieser Kampagne im „Jahr des Delfins“ möchten wir es auch der Öffentlichkeit leicht machen, rasch, leicht und effizient Delfinschutzaktivitäten zu unterstützen.

Und so leicht geht es: Senden Sie eine SMS, mit dem Kennwort „Delfin“, an die Nummer 81190 (Kosten 2,99 €/pro SMS). Leiten Sie dies bitte auch an Freunde, Bekannte und KollegInnen weiter.

Viele HelferInnen zeigten sich bereits begeistert von der Idee, schon durch das Versenden einer einzigen SMS einen kleinen Beitrag zum Delfinschutz leisten zu können. Mittlerweile Kultstatus erlangen die Motive der Kampagne, die Sie als kleines Dankeschön als Hintergrundbild für Ihr Handy erhalten. Die Kampagnenmotive werden via Zufallsprinzip dem SMS-Versender zugeschickt. Wer mehr als einmal den Betrag von 2,99 € pro SMS investiert, hat also die Möglichkeit, alle drei Motive zur Auswahl für sein Handy zu laden. Die WDCS kann sich der Begeisterung nur anschließen, da der Erlös unsere Anstrengungen für die Einrichtung neuer Wal- und Delfinschutzgebiete im Mittelmeer unterstützt.

Bitte motivieren auch Sie Freunde, Bekannte und KollegInnen zum Versenden einer SMS, es kann so einfach sein. Danke!

Ihr


Nicolas Entrup

Von Norwegen und Nordkapern

Wednesday, 20. June 2007

Bei der aktuellen Nachricht zu Norwegen (siehe unter „news“ – Walfänger entsorgen Walfett im Meer) handelt es sich nicht um eine neue Praktik, jedoch ist der Kontext wichtig. Hat die norwegische Walfanglobby in der Vergangenheit den Mantel des Schweigens über diese Praktik gehüllt – man wollte den Eindruck erwecken, dass die Nachfrage auf Walprodukte hoch sei -, versucht diese jetzt in die Offensive zu gehen. Man versucht Druck für eine Kommerzialisierung der Nutzung sämtlicher Walprodukte zu erzeugen und versucht anzumerken, dass man doch diese Produkte, die gegenwärtig über Board gehen, nicht „verschwenden“ soll. Die grundsätzliche Verschwendung, die beim norwegischen Walfang jedoch stattfindet, ist das sinnlose Töten der Meeressäuger selbst.

Gleichzeitig wurde östlich von CapeCod in den USA erneut ein toter Nördlicher Glattwal, Nordkaper, abgespült. Es ist bereits der vierte tote Nordkaper, der auch noch offensichtlich Opfer des Verfangens in Fischereigerät wurde. Vergangenes Jahr waren es insgesamt sechs Tiere. Ein trauriger Trend für eine vom Aussterben bedrohte Population.

Top of the COP: die letzte Sitzung

Monday, 18. June 2007

Der letzte Tag der 14. Vertragsstaatenkonferenz (COP) hatte es in sich. Es war sicherlich eine der verrücktesten Sitzungen, die ich bislang erlebt habe. Es wird mir kaum möglich sein, dies entsprechend wiederzugeben, Schriftsteller hätten jedoch Stoff für ein gesamtes Buch.
Die Ausgangssituation: nachdem Japans Antrag in der Vorwoche überwältigend abgelehnt wurde, bestand aus Sicht Japans kaum eine realistische Chance für eine – für die Annahme notwendige – 2/3 Mehrheit. Aber, was den Walfänger zusätzlich wie ein Stachel im Fleisch saß, war die Entscheidung des Komitee I – auf Vorschlag Australiens -, dass der Tierausschuss solange keine Überprüfung einer Listung einer Großwalart, inklusive dem Nordatlantischen Finnwal, zulässt, solange das kommerzielle Walfangverbot der IWC in Kraft ist. Damit hatten die Walfänger nicht gerechnet.

Das Problem: Entscheidungen aus den Komitees müssen im Plenum bestätigt werden. Zur Wiederaufnahme der Diskussion über einen Antrag benötigt man lediglich 1/3 der Stimmen der anwesenden Mitgliedsstaaten. Das Groteske: wird die Diskussion erneut aufgenommen, muss die Entscheidung aus dem Komitee erneut mit 2/3 der Stimmen bestätigt werden. Somit war klar, die Walfanglobby wird alles daran setzen, die Diskussion zu eröffnen, um danach mit 1/3 + 1 Stimme die Entscheidung rückgängig zu machen. Das hätte zur Folge gehabt, dass der Tierausschuss die Überprüfung des Nordatlantischen Finnwals fortgesetzt hätte. Es folgte ein Großaufgebot an Pro-Walfanglobbyisten.

Unser Team war aber mit noch einem weiteren „Problem“ konfrontiert. Die Elefantendiskussion überschattete alles, sodass es für uns sehr schwierig war, die Staaten auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen. Es folgten ungemein anstrengende Tage und als am Donnerstag der Tagesordnungspunkt auf den letzten Konferenztag verschoben wurde, war ich kurzfristig echt im Eck… die Anspannung war kaum zu ertragen.

Vorhang auf!

Tagesordnungspunkte des letzten Konferenztages:

Budget, Wale, Haie, rote Korallen, Elefanten. Dem brauche ich nichts hinzufügen, oder? Wir sind ab 8.00 Uhr im Konferenzgebäude, Frühstück mit einer Delegation, Gespräche ein paar weiteren Ländern …die Gänge sind noch verhältnismäßig leer… die Konferenz beginnt erst um 10.00 Uhr, fünf vor Zehn die Durchsage „es geht gleich los“, tatsächlich geht es um 10.20 Uhr los. In diesen 25 Minuten gleicht der Plenarsaal einem Wettlauf zwischen jener, die Wale schützen und jener die Wale nützen wollen. Zahlenmäßig sind wir weit in der Unterzahl. Keine Ahnung mit wie vielen Delegationen ich noch letzte Worte wechsle…viele…, das Fragezeichen ist: wie werden sich die zentral- und westafrikanischen Ländern, sowie die Zentralasiatischen und arabischsprachigen Länder verhalten.

Die Sitzung beginnt, den Vorsitz leitet die niederländische Umweltministerin, Gerda Verburg. Eingangs wird das – die gesamten zwei Wochen hindurch – völlig desolate elektronische Abstimmungssystem getestet. Warum dies am letzten Tag gemacht wird?

Nach einigen kurzen Themen, geht es los. Zunächst ist nicht das Wort „Wal“ Anlass zur Debatte, sondern eben das Stimmverhalten. St. Kitts & Nevis kritisieren die Beeinflussung des Abstimmungsverhaltens von Delegationen durch das Anzeigen von Karten in unterschiedlichen Farben. Gemeint ist die deutsche Delegation, die durch den Vorsitz der EU-Präsidentschaft die Koordination der EU-Mitgliedsstaaten inne hat. Das einzigen der Farben signalisiert den EU-Staaten die jeweilige Position. Auch wenn es eine unglückliche Lösung ist, so versteht eben St. Kitts & Nevis nicht, dass es Verpflichtung der EU-Mitgliedsstaaten ist, einheitlich zu stimmen und es keine Beeinflussung, sondern eine Koordination der Abstimmung für EU-Mitgliedsstaaten ist. Nachdem Deutschland dies erläutert hat, folgen heftige Diskussionen …

An dieser Stelle sei angemerkt, dass sogenannte „Point of Order“ den inhaltlichen Diskussionsprozess unterbrechen und prozedurale Aspekte in Frage stellen und um Klärung seitens der Vorsitzenden bitten.
Um in Folge die Geschehnisse für mich zu vereinfachen gilt:

Point of Order: PoO
St. Kitts & Nevis: SKN
Vorsitzende: V
Generalsekretär von CITES: SG

Noch eine Anmerkung: SKN wird vertreten durch Herrn Daven Joseph, vormals Delegierter für Antigua & Barbuda bei der IWC und seit wenigen Jahren Delegierter von SKN ist der „Mann für’s Grobe“ für die japanische Walfanglobby. Man schickt eben gerne andere Staaten vor.

Los geht’s (es ist jedoch eine stark gekürzte Wiedergabe).

SKN: wenn die EU weiterhin Farben nutzt, werde SKN dies auch tun.
SG: schlägt vor, in Hinkunft die Abstimmung nacheinander durch das Heben der Arme durchzuführen, sodass die Stimmabgabe eben nicht beeinflusst wird.
EU: wir sehen in unserer Praktik kein Problem, sind aber auch bereit den Vorschlag hier zu akzeptieren.
V: okay, also können wir weiter die Tagesordnung verfolgen.
PoO von SKN: jeder hat das Recht das zu tun, was die EU auch tut (Anm.: SKN will einfach provozieren, dass ist das Spiel“ der Walfänger)
USA: danken EU für deren Bereitschaft. Da es eben anscheinend kein Vertrauen in das elektronische System gibt, bevorzugen wir eine Abstimmung durch das Heben von Händen.
Dominica: Nein, das elektronische System war bislang wunderbar (Anm.: merken Sie sich diesen Einwand, des Pro-Walfangstaates!).

V: okay, dann stimmen wir darüber ab, wie wir heute abstimmen.
PoO von SKN: hat Problem mit dem Vorschlag der USA und möchte wissen, wie das bei geheimen Abstimmungen praktiziert werden soll (Anm.: das war klar, dass SKN auf geheime Abstimmungen hinaus möchte).
USA: ihr Vorschlag gilt nur, wenn dazu Konsens besteht und zieht den Vorschlag zurück.
Zwischenbilanz: sowohl die EU als auch USA haben sich sozusagen der Provokation durch SKN gebeugt.
V: ich bitte nun den Vorsitzenden aus Komitee I über den Bericht des Tierausschusses zu berichten.
(das ist der Punkt: Überprüfung des Status des Nordatlantischen Finnwals und die Entscheidungt aus Komitee I – siehe Kommentar eingangs).

Greg Leach, Vorsitzender des Komitees I berichtet über die Diskussion zum Finnwal und die Entscheidung über den australischen Vorschlag.
PoO von Palau: verlangt eine Eröffnung der Diskussion über die Entscheidung aus dem Komitee I und sagt, dass „wenn es zu einer Eröffnung der Diskussion kommt, verlangen wir einen Entscheid in einer neuerlichen Abstimmung, die geheim abgehalten wird“ (Anm.: wichtig hierbei ist, dass Palau ganz klar gesagt, dass „wenn die Diskussion eröffnet wird…“ und somit die geheime Abstimmung eben NICHT zur Abstimmung über die Eröffnung, sondern zur danach folgenden Abstimmung abgehalten werden soll).
V: unterstützt jemand diese Forderung?
Brasilien: es gab genügend Diskussion darüber, die Entscheidung im Komitee I war klar und eindeutig, wir brauchen keine neuerliche Diskussion darüber.
V: schlage vor, wir stimmen ab.
PoO von Norwegen: es müssen zwei Staaten für Eröffnung der Diskussion sein und wenn dies niemand anderes tut, dann tun wir es.
V: jetzt geht’s zur Abstimmung.

Der Ergebnis erscheint auf der Anzeigetafel:
Zustimmung für Eröffnung: 33,02 % (35 Länder)
Ablehnung der neuerlichen Diskussion: 66,98% (71 Länder)
Enthaltungen: 19

V: okay, es wird nicht eröffnet, weiter geht’s mit der Tagesordnung.
Er jetzt gedacht hat, es ist überstanden, der irrt. Das war der Anfang!
PoO von SKN: wir stellen das Prozedere in Frage, wir hatten eine geheime Abstimmung gefordert (Anm.: wenn, dann war es Palau .. siehe Anmerkung oben .. .aber wie man sehen wird, beginnen nun die Emotionen freien lauf zu lassen und die Walfangseite kämpft nun im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen, um nicht eine dramatische Niederlage einzustecken. Weitere Anm.: bis dahin hat Japan noch nicht 1 Wort gesagt!).

SG: das Ansuchen für eine geheime Abstimmung war “zum Entscheid des Komitees I und nicht zur Eröffnung der Diskussion” (Anm.: völlig korrekt! Präzision ist gefragt!). Eine geheime Abstimmung hätte auch die Zustimmung 10 zusätzlicher Staaten erfordert und klar angefragt werden müssen.
PoO durch SKN: der SG liegt falsch in seiner Interpretation (Anm.: warum sagt er nicht!)
Australien: schlägt vor, dass – wenn es SKN unbedingt will – man einfach das Ergebnis nicht veröffentlichen soll (Anm.: nun sieht sich die Walfangseite völlig im Eck…)
Island: volle Unterstützung für SKN

V: ich schlage vor, dass dieses Ergebnis als gültig gewertet wird. Sind sie einverstanden? (Anm.: die Vorsitzende war leider etwas unsicher in ihrer leitenden Funktion, was beinhart von den Pro-Walfangstaaten zur weiteren Verunsicherung des Gremiums ausgenutzt wurde).
SG: kommentiert das dafür notwendige Prozedere, nämlich, dass eine Entscheidung der Vorsitzenden nur die Unterstützung einer einfachen Mehrheit benötigt (50,01 %)
V: möchte die Abstimmung beginnen.
PoO von Island: das ist nicht korrekt. Wir werden uns enthalten.
Benin: unterstützt Palau und will wissen über was abgestimmt wird.
V: klärt das Plenum nochmals auf.
Palau: das ist alles so verwirrend (Anm.: ach was, wirklich? Jetzt kennen sich die Pro-Walfangstaaten beim eigens veranstalteten Theater nicht mehr aus,… wer hätte das gedacht).. wir fordern, dass wir nochmals von vorne beginnen (Anm.: was wirklich? Das ist ein internationales Gremium, bitte!).
Norwegen: unterstützt Palau und fordert geheime Abstimmung.
Brasilien: wir unterstützen V und wollen das über die Gültigkeit der ersten Abstimmung abgestimmt wird.

V: so, wir hatten zuvor abgestimmt, ob wir geheime Abstimmung abhalten oder nicht (Anm: Aua, nein, jetzt ist sie völlig verwirrt und hat sich im Verwirrspiel verfangen!)…es folgen Unterbrechungen und Konsultationen…
V übergibt an SG: er erläutert nochmals das Prozedere. Die folgende Abstimmung ist darüber, ob das erste Abstimmungsergebnis akzeptiert wird oder nicht und benötigt eine einfache Mehrheit.
V: möchte zur Abstimmung fortfahren.

Geschrei von den Rängen…

Der Abstimmungsprozess beginnt.

Abstimmung ist gültig: 77 Länder - 74,76%
Abstimmung ist ungültig: 26 Länder – 25,24%
Enthaltungen: 15 Länder
V: das Ergebnis ist klar, wir fahren mit der Tagesordnung fort (Anm.: das WDCS Team blickt sich fragend an „war’s das, können wir feiern?“…ein Schrei „Point of Order“ stört die Vorfreude).

PoO von Palau: das ist nicht korrekt, ich bat um eine geheime Abstimmung. So können wir nicht weiter machen.

Gelächter breitet sich aus. Pro-Walfangstaaten applaudieren, die Emotion steigt im Konferenzsaal, die Atmosphäre schwenkt in Aggressivität um (Anm.: willkommen bei der IWC…dort ist das nämlich auch oft so; die Pro-Walfangstaaten haben es also wieder einmal geschafft, dass man jegliche zivilisierte Diskussionsebene verlässt. Ich erinnere in dieser Situation daran, dass es viel Staaten gibt, die mit Pro-Walfangstaaten einen Kompromiss anstreben… was soll man da noch sagen…).
V übergibt an SG: Palau, hätte vor der Abstimmung diesen Punkt machen müssen durch einen PoO, nun ist die Abstimmung aber gültig.

Es folgen Dutzende PoO … sorry, das übersteigt meine Mitschriftkapazitäten.
PoO von Surinam: wollte schon mehrmals sprechen, beginnt sich politisch zu positionieren…
V: unterbricht Surinam: ein PoO ist zu Prozedere nicht zu Inhalten.
Surinam: unterstützt Palau.
Dies tut auch Guinea;
PoO von USA: besorgt über den Ton und mangelnde Diskussionskultur und fordert die Unterbrechung des Plenums und dass das Bureau sich zusammensetzt, um die Situation zu klären (Anm.: warum bitte, die Lage ist Lupenklar…).
V: wer unterstützt diesen Vorschlag?
Die Schweiz und Kanada!
V: wer ist dagegen? Niemand.

Unterbrechung der Sitzung. Es geht um 13.30 Uhr weiter.

Die Frage, die sich uns nun aufdrängt ist: „was nun?“ Zu diesem Zeitpunkt kann man nichts mehr beeinflussen. Die Fragen „kippt die USA um; werden die Verfahrensbestimmungen der Artenschutzkonferenz zur Farce und beugt sich ein internationales Gremium den Provokationen einer Pro-Walfanglobby…“?). Nach den längsten 2 Stunden der gesamten Konferenzwochen folgt ein Aufruf via Lautsprecher, dass die Plenarsitzung wieder beginnt und die Teilnehmer sich in den Konferenzsaal begeben sollen.

V:
„Wir haben nun alle Argumente noch einmal in Betracht gezogen, uns das Protokoll genau angesehen und alle involvierten Parteien nochmals gehört. Das Fazit ist wie folgt:
-) alle Parteien arbeiteten bemüht und wohl gesonnen
-) …. Es wird festgehalten, dass die Vorsitzende einen Beschluss fasste, dieser wurde in Frage gestellt und zur Abstimmung gebracht. Das geprüfte Endergebnis ergab eine klare Mehrheit von etwa 70%, sodass die Entscheidung der Vorsitzenden klar bestätigt wurde und diese Entscheidung hat Gültigkeit
-) … die Vorsitzende hat sich mit der Delegation von Palau getroffen und alles erläutert und es herrscht nun Einverständnis;

Gibt es irgendwelche Stellungnahmen und Kommentare zu dieser Zusammenfassung?“

Palau: bedankt sich für die ausführliche Auseinandersetzung mit der Situation und bedauert die Entscheidung, akzeptiert diese aber….
St Vincent und die Grenadinen: ist ein Mitglied des Ständigen Ausschusses, akzeptiert die Entscheidung, merkt aber an, dass es ein schlechter Präzedenzfall ist.
Japan: bekundet Sympathie mit der Interpretation von Palau und deren Sorge über das Abstimmungsverfahren (Anm.: das ist das erste Mal, dass Japan an der Diskussion teilnimmt).
Norwegen: akzeptiert die Entscheidung, fordert jedoch die Anzeige des Abstimmungsverfahrens zur Eröffnung der Diskussion (Anm.: die erste knappe Entscheidung!)
V: bedankt sich für Kommentare, insbesondere bei Palau und merkt gegenüber Norwegen an, dass sie nun gerne mit der Tagesordnung fortfahren möchte.

Erneut unterbricht ein Schrei unsere Hoffnung “jetzt ist es aber vorbei!”
„Point of Order“!
(dieses mal von) Island: wir müssen das genaue Ergebnis sehen, denn es war ja letztendlich auch sehr knapp.
SG: wir haben uns in den vergangenen Stunde das alles bereits sehr detailliert angesehen und außerdem gibt es ein Verfahrensproblem, denn die Vositzende hat einen Beschluss gefasst und dieser wurde bestätigt. Island ist Mitglied des Büros und hätte Gelegenheit gehabt, dies kundzutun. Außerdem müsste ein Einwand dann getätigt werden, wenn die Abstimmung vorüber ist und dies war nicht der Fall.
Island: Norwegen hatte darum gebeten.
SKN: das Sekretariat übt sich ordentlich in Gymnastik, das ganze ist ein Schleuderpfad.

Lauter Applaus (Anm. die Pro-Walfangseite kann ihre Emotionen kaum noch bündeln, denn die Niederlage steht vor der Tür!).

Brasilien: wir schlagen vor, dass diese Diskussion beendet wird. Wir unterstützen die Entscheidung des Büros und die Vorgehensweise der Vorsitzenden.
SG: Regel 18 besagt, dass über einen solchen Vorschlag abzustimmen ist. Es muss nun ein weiterer Staat diesen Vorschlag unterstützen und zwei Staaten, die dagegen sind angehört werden. Wer tut dies?
Deutschland im Namen der EU unterstützt Brasiliens Forderung.
V: wer ist dagegen?
Guinea: wir unterstützen SKN und wollen die Abstimmungsliste sehen.
Liberia: ist gegen Brasiliens Vorschlag, so auch Katar.

V: eröffnet die Abstimmung.

Das Ergebnis:

Für die Beendigung der Diskusion: 74 (66.6%)
Für die Fortsetzung und das Zeigen der Abstimmungsliste: 37 (33,3%)
Enthaltungen: 9
…laut und deutlich vernehmen wir den Ruf “Point of Order”
St Lucia: wir wollen die Listung dieser Abstimmung sehen.

Die Listung wird gezeigt.

SG: das ist aber unerheblich, denn wir die Annahme des brasilianischen Vorschlages benötigt man nur eine einfache Mehrheit (50,01%).
V: die Entscheidung steht, wir fahren mit der Tagesordnung fort.

Ja, ja, ja… nun war die Diskussion vorbei und die Wale die großen Gewinner dieser Artenschutzkonferenz. Eine unermessliche Erleichterung machte sich breit!

Last but not least: die nächste CITES-Vertragsstaatenkonferenz findet 2010 in Katar statt.

Gossip aus Anchorage und Den Haag

Saturday, 16. June 2007

Zwei Konferenzen, durchgehend vier Wochen in Tagungsräumen verbringen, Hektik, wenig Schlaf und trotzdem erlebt man einiges… hier ein kleiner Auszug einiger meiner Highlights...

Kommunikation:
Mark Simmonds, wissenschaftlicher Leiter der WDCS, findet sein in den USA erworbenes Mobiltelefon nicht. Hmmm, klar, einfach die Nummer wählen, anrufen und vielleicht klingelt es ja irgendwo im Hotelzimmer, verborgen in der Tasche oder sonst wo in der Nähe… weit gefehlt „Hallo“ ertönt es am anderen Ende. Das Gespräch dürfte sich wie folgt zugetragen haben.
A (Mark)
B (neuer „Besitzer“ es Mobiltelefons):

B nimmt ab: Hallo
A: Hallo, es sieht so aus als ob sie mein Telefon in der Hand halten
B: ja, das sieht so aus.
A: aha
B:…..(wartet)
A: wo haben sie es denn her?
B: ich habe es im Hotel Captain Cook gefunden.
A: und planen, sie es auch zurückzugeben?
B: vielleicht
A: aha,…. Wo sind sie denn?
B: in den Bergen..
A: und planen sie demnächst in die Stadt zu kommen?
B: nein.
..
Wie das Gespräch beendet wurde, weiß ich nicht, skuril ist es allemal…

Walvermehrung:
Bislang war eigentlich der „geistige Geniestreich“ innerhalb der Walfangkommission die Aussage des ehemaligen japanischen Delegationsleiters, Komatsu, die Aussage: Zwergwale sind die Kakerlaken der Meere.
Die Präsentation über die Situation der Walbestände um Grönland kommt dem aber bereits nahe. Laut Angaben der grönländischen Delegation haben sich Buckelwal bereits dermaßen stark vermehrt, dass die Fischer manchmal Schwierigkeiten haben, die dortigen Hafenanlagen zu verlassen, da die Boote sich kaum einen Weg durch die Wale bahnen können.

Wow,…eigentlich die besten Bedingungen für Walbeobachtung von Land aus…

Abstimmungsverhalten:
Nachdem Japan kurz vor der Abstimmung über die CITES Resolution bei der IWC kundtat, nicht an der Abstimmung teilzunehmen „non participate“, war dies das grüne Licht für mehr als Zwanzig Staaten, dem Aufruf zu folgen. Im Anschluss an die Abstimmung ergreift ein Vertreter eines westafrikanischen Staates das Wort (ich verzichte auf die Nennung des Staates):
X: „ich möchte öffentlich kuntun, warum wir so abgestimmt haben“
Es kommt zum „Point of Order“ Großbritanniens: „Sorry, aber man kann nicht seine Stimmabgabe erklären, wenn man an der Abstimmung nicht teilgenommen hat“.
Das darauf folgende Gelächter war angebracht, aber irgendwie war es schon fast zuuuuu peinlich und offensichtlich, wie manche Staaten den Rufen Japans folgen.

Sicherheit: Die Spielregeln
Der große Konferenzsaal in Anchorage hat drei Eingänge. Alle auf der gleichen Seite.
An der Konferenz nehmen drei unterschiedliche Gruppen teil: a.) offizielle Vertreter von Staaten, b.) Observer (z.B. von Nichtregierungsorganisationen, wie die WDCS), c.) Medienvertreter (jene, die Dänemark und andere Staaten nicht vor Ort haben möchte, da die Weltöffentlichkeit ja dadurch erfährt, was hier diskutiert wird);
Beginnt die Konferenz dürfen die Spieler nicht alle die gleichen Eingänge benutzen.
Kategorie a. darf alle Eingänge benutzen. Kategorie b. und c. dürfen nur Eingang 3 benutzen. Die Spieler werden an jedem Eingang jedes mal nach ihrem Ausweis gefragt und müssen diesen über ein elektronisches Kästchen ziehen, das dann „biep“ macht (das ist „lustig“, da auch die „Aufpasser“ (österreichisch „Türlsteher“) lustigerweise nach wenigen Tagen auch zusätzlich „Biep“ rufen und manchmal – wie in meinem Fall – dazu bereits auch den Namen wissen. Das betreten das Saales ist also lustig und läuft so ab: „How are you, Niki“, „Biep“ (künstl. durch Türlsteher), „Biep“ (orig. durch Gerät).
Das „noch Lustigere“ an dem Spiel ist, dass man sich im Saal innen aber frei bewegen kann (ohne „biep“) und auch die Wahl des Ausgangs (die gleichen, bzw. selben drei Türen).

Ich, Kategorie b., darf also nur Eingang 3 benutzen, aber durch Ausgang 1,2,3 den Raum verlassen. ABER…Vorsicht Falle: wenn also ein Spieler der Kategorie b. den Raum durch Ausgang 1 oder 2 verlässt (Def. „bereits mit einem Fuß die Linie überschreitet“) und merkt „aaaa, ich habe vergessen mit einem Spieler aus der Kategorie a. zu sprechen und möchte rasch wieder zurück gehen, dann geht das nur durch Eingang 3…nicht aber durch Ein-Ausgang 1 und 2. Diese regel wurde eben eingeführt, um das Spiel eben noch lustiger zu machen…“biep“, „biep“…
Das Spiel ist für Erwachsene ab 18 Jahre und heißt „Tagung der Internationalen Walfangkommission in den USA“. Vor etwaigen Nebenwirkungen schützt sie aber sicher kein Arzt oder Apotheker.

Textilien:
Eigentlich sollte ich den Mantel des Schweigens darüber hüllen, aber …. mit meinen Textilien hatte ich wirklich kein Glück. Die Putzereien in Anchorage haben Folgendes noch nicht spitz bekommen: Hemd ist nicht gleich Hemd.
Gibt man ein Hemd in die Putzerei, beginnt das große Warten: wenn man Glück hat und ein Hemd zurückbekommt, kann es aber durchaus sein, dass es nicht dasselbe ist, das man abgegeben hatte. Gleiches gilt für Unterwäsche, Socken und sonstiges. Sicher ist: die lange Wartezeit und die Gewissheit, dass man mit weniger abreist als man mitgenommen hatte.
Ich nahm es dann schon gelassen, als mein Koffer am Flughafen in Amsterdam nicht ankam. Nervös wurde ich erst am Folgetag, als kein Koffer in Aussicht war; ich diesen dann aber erleichtert in der Folgenacht zugestellt bekam…

Kulinarische Wunder:
Ich sehne mich nach einem riesigen Berg Salat und kann Kaffee, Eier, weiches Brot und Cola nicht mehr sehen, riechen, geschweige denn zu mir nehmen… Den Haag ist eine tolle Stadt, aber trotzdem kommt man aus dem Kreislauf „stetig Kaffee zu sich zu nehmen“, um irgendwie die Augen noch offen halten zu können, nicht heraus.

Akustische Freuden:
Während angespannter Diskussion, sorgte ein akustischer Angriff eines japanischen Lobbyisten kurzfristig für Erheiterung. Ich kann die Dezibelanzahl schwer einschätzen, aber die Schnarchperformance sucht seinesgleichen. Zweimal, in kurzen Abständen, übertraf lautes Schnarchen des in den Schlaf gefallenen Lobbyisten jegliche anderen akustischen Signale.

Fortsetzung folgt...

Der Tag danach

Saturday, 16. June 2007

Die große Party blieb aus. Natürlich war die Freude über den signifikanten Erfolg für den Walschutz groß, aber irgendwie wurde diese dadurch getrübt, da am gleichen, letzten Tag der CITES-Konferenz der Haiantrag der Europäischen Union keine Mehrheit fand, als auch die Regulierung des Handels mit roten Korallen aufgehoben wurde.

Ich tue mir sehr schwer, eine klare und einheitliche Interpretation über den Ausgang der Artenschutzkonferenz zu geben. Die Vielfältigkeit der Themen und die variierenden Abstimmungen zu Listungsanträgen lassen eine solche kaum zu. Ergibt sich die Frage „ist denn zumindest ein Trend erkennbar?“.

Der Trend ist leider weiterhin jener, dass es immer schwieriger wird, Arten in ihrer Komplexität umfassend zu schützen. Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass unsere Gesellschaft unbedingt einen Wertewandel benötigt, um eine Neuausrichtung der Arten- und Tierschutzpolitik zu erwirken.

Die Ursprungsidee von CITES – das Washingtoner Artenschutzübereinkommen – ist, Tier- und Pflanzenarten vor der Ausbeutung durch den internationalen Handel zu schützen und diesen entsprechend zu regulieren. Auf dieser Idee gründet sich das Prinzip, Tier- und Pflanzenarten in Kategorien einzuteilen, die den jeweiligen Schutzstatus – das entsprechende Regelwerk betreffend den Handel – bestimmen. Vereinfacht gesagt: Arten in Anhang I gelten als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht und der internationale Handel für vorwiegend kommerzielle Zwecke ist untersagt. Arten in Anhang II könnten einen entsprechend dramatischen Gefährdungsgrad erhalten, sollte der internationale Handel nicht strikt reguliert werden. Im wesentlichen muss hier der Exportstaat eine Prüfung der Situation der Art durchführen und bestätigen können, dass der Handel mit Produkten oder Lebendexemplaren eben dem Überleben der Art nicht abträglich ist.

Eine gute Idee mit schwerwiegenden Folgen. Das dargestellte Grundprinzip kategorisiert Tier- und Pflanzenarten und richtet Schutzmaßnahmen am Gefährdungsstatus. Eine Frage sei erlaubt, um dieses Prinzip in Frage zu stellen: ist uns Menschen der Nördliche Glattwal (Anhang I) mehr wert als der Schwertwal (Anhang II)? Ist es zeitgerecht, Schutzmaßnahmen an der Anzahl der Individuen einer Spezies auszurichten? Ist Artenschutz gleichzusetzen mit Erbsenzählerei?

Okay, es ist zweifellos so, dass wir Menschen verpflichtet sind, uns intensiv darum zu bemühen, dass nicht noch weitere Arten von diesem Planeten verschwinden, aber um eben genau das zu erreichen, muss umfassender Schutz schon viel früher beginnen. Erfolgreicher Artenschutz kann nicht heißen „Schwertwale sind weltweit verbreitet, aber jene in der Straße von Gibraltar sind halt ausgestorben“. Wir müssen noch zumindest halbwegs intakte – terrestrisch als auch marine – Lebensräume erhalten, um gesunde Tierpopulationen schützen zu können. Beginnen wir mit intensivsten Schutzbemühungen erst dann, wenn Populationen bereits dermaßen dezimiert sind, dass sie ihr Fortbestand ohnehin schon fraglich ist, wird es meist zu spät sein.

Wir alle sind gefragt. Es hilft uns nicht, mit dem Finger ausschließlich auf die „Bösen“ zu zeigen. Auch wir als Konsumenten sind jene, die großen Einfluss auf diese Diskussion haben. Als ich in Anchorage, Alaska, zur Tagung der Walfangkommission ankam, war ich mehr als nur überrascht, wie viel Elfenbeinschnitzereien in dortigen Geschäften veräußert werden. Was für ein Elfenbein? Vermutlich von Walrosszähnen, es könnte aber auch von Narwalen stammen… Ist aber z.B. ein europäischer Tourist aufgeklärt genug, um zu wissen, dass er für die Ausfuhr eigentlich eine CITES-Genehmigung benötigt? Es wäre naiv anzunehmen, wenn einem der Verkäufer beim Betreten des Geschäftes genau über solche Voraussetzungen informiert (in etwa: „Willkommen, und übrigens, das was sie gerade betrachten stammt von gefährdeten Narwalen, sie brauchen ein Exportzertifikat das ich ihnen aber gleich mitliefere …ruckizucki, kein Problem!“…

Die österreichische IWC Delegierte verlangte von den USA während der IWC Tagung eine entsprechende Erklärung zu eben dieser Situation. Die USA zirkulierten darauf hin ein Dokument, in dem auf eine Webseite der Regierung verwiesen wird, die alle Informationen listet, wann man wo und wie entsprechende Dokumente erhält. Also stellen wir uns das einmal in der Praxis vor: „Willkommen, und übrigens, das was sie gerade betrachten stammt von gefährdeten Narwalen, sie brauchen ein Exportzertifikat; genaue Informationen erhalten Sie auf folgender Webseite… wenn sie also dann in ihrem Hotel durch ihren in den Urlaub mitgebrachten PC online waren und sich die 10 Seiten + (technisches Fachenglisch) Informationen durchgelesen haben, können sie gerne wieder kommen,…bis dahin noch einen schönen Tag“.

Wäre nicht folgende Frage angebrachter? „Wer braucht bitte Narwalzahnschnitzereien?“

Es gibt dann jene, die insbesondere im Rahmen von CITES argumentieren, dass der Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenprodukten der Bekämpfung der Armut dienen. Dies war eine der wichtigsten Diskussionen im Rahmen dieser CITES Tagung. Doch diese wurde auf einem Niveau betrieben, das mich teilweise an Grimms Märchen erinnert. Das Dokument enthielt weder eine Definition der Grundbegriffe „Poverty, Poverty Reduction, Livelihoods…“, noch einen ernsthaften Ansatz, der einem nachvollziehen lässt, wie um alles in der Welt sichergestellt werden soll, dass entsprechender Handel eben armen regionalen Gemeinden zu Gute kommt.

Dies zeigt auf, dass wir eben eine umfassende Neuorientierung der Artenschutzdiskussion benötigen. Wir können und dürfen Artenschutz auch innerhalb von CITES (das für die Regulierung des internationalen Handels zuständig ist) nicht ausschließlich aus Sicht des Handels betrachten. Welche Auswirkung hat die Entnahme und Bejagung von Wildtieren aus den nationalen Tourismus, auf nationale Subsistenzwirtschaft,… welche langfristigen positiven Auswirkungen hat der umfassende Schutz von Populationen und Habitaten…?

Es verwundert dann nicht, dass jene Lobbyinggruppen, die sich intensiv für die Legalisierung des Walfangs und Handels mit Walprodukten auch jene sind, die den Elfenbeinhandel legalisieren wollen, sich gegen den Schutz von Haien und roten Korallen und nur irgendeiner Verbesserung der Schutzstellung von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten einsetzen. Und niemand soll hier auch nur im Entferntesten daran denken, dass jene Lobbyinggruppen sich der Bekämpfung der Armut verschrieben haben. Das Ausnutzen der Armutsdiskussion ist zutiefst widerlich und insbesondere den von Armut betroffenen Menschen gegenüber verwerflich!

Und genau da komme ich abschließend auf den Walschutz zurück. Großwale sind die großen Gewinner dieser Artenschutzkonferenz, der höchstmögliche Schutzstatus – das internationale Handelsverbot mit Walprodukten – bleibt bestehen. Es bietet sich uns nun die Möglichkeit, anhand der Großwale eine holistische Diskussion vom Zaun zu brechen, um den angesprochenen Wertewandel in der Artenschutzdiskussion zu fordern und einzuleiten.

Großwale sind von zahlreichen Gefahren bedroht. Wir benötigen eine grundlegende Reform der globalen Fischereipolitik, progressive Ansätze für das Management von Meeresschutzgebieten, globale Initiativen zur Reduktion der Meeresverschmutzung durch Lärm und Chemikalien und vor allem die Bereitschaft, ebensolche Schutzmaßnahmen so zu gestalten, dass wir Walgruppen in ihrer Komplexität schützen.

Lateinamerikanische Staaten haben im rahmen der Walfangkommissionstagung ein Statement für die nicht lethale Nutzung von Walen vorgelegt, das langfristig vor allem eben regionalen Küstengemeinden sozioökonomischen Nutzen bringen soll. Wale als Indikatoren für den Zustand mariner Ökosysteme. Wale als Botschafter auch für andere, nicht so charismatische marine Arten und für den Lebensraum mehr. In der Tat ein schönerer Ausblick als an die zahlreichen negativen Ergebnisse dieser Artenschutzkonferenz zu denken.

Ihr


Nicolas Entrup

Großangriff gegen Wale abgewehrt

Friday, 15. June 2007

Walfänger verlieren alle Abstimmungen, sowohl bei der IWC als auch bei CITES


Den Haag, 15. Juni 2007: Am letzten Tag der 14. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) unternahmen die Walfangstaaten erneut einen Versuch, um zumindest einen Teilerfolg zu landen. Die Pro-Walfangstaaten wollten den in der vergangenen Woche angenommenen Vorschlag Australiens, keine Überprüfung der Listung von Großwalarten in den CITES Anhängen durchzuführen, solange das von der Internationalen Walfangkommission (IWC) beschlossene kommerzielle Walfangverbot in Kraft ist, heute aufheben. Hierzu hätten sie lediglich 1/3 der Stimmen der stimmberechtigten Mitgliedsstaaten benötigt. Bei der heftig umstrittenen Abstimmung erhielt jene, die die Diskussion wieder aufnehmen wollen, jedoch nur 33,02% und nicht die dafür notwendigen 33,34% der Stimmen. Daraufhin wollten die Pro-Walfänger die Abstimmung anfechten, doch die Gültigkeit der Abstimmung erhielt Zustimmung von etwa 75% der anwesenden Staaten. Die Sitzung wurde unterbrochen, doch die Resultate anschließend bestätigt.

Japan verzichtete, den eindeutig niedergestimmten Antrag vergangener Woche zur Überprüfung aller in Anhang I befindlichen Großwalarten zur mittelfristigen Legalisierung des Handels mit Walprodukten neu einzubringen.

„Deutlicher kann die internationale Staatengemeinschaft auf den Irrlauf der Walfangstaaten nicht reagieren. Die Walfangstaaten haben in den vergangenen Wochen auf alle ihre Initiativen innerhalb der Walfangkommission und bei der Artenschutzkonferenz eine klare Absage erhalten. Wann begreifen die zwei reichen Industriestaaten Japan und Norwegen, als auch Island, dass die Staatengemeinschaft ein Ende des Walfangs sehen will?“ interpretiert Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS, die Ergebnisse aus Sicht des Walschutzes.

Isländische Walfanglobby provoziert weiter!

Nahezu zeitgleich forderte das isländische Meeresforschungsinstitut von der eigenen Regierung die Freigabe einer kommerziellen Fangquote auf 200 Finnwale und 400 Zwergwale im kommenden Jahr 2008. Laut Presseberichten hat das isländische Fischereiministerium noch keine Entscheidung darüber gefällt. Die Entwicklung Islands zeigt, dass die dortige Walfangindustrie sich weder an Erkenntnisse der Wissenschaft noch an internationale Bestimmungen hält. Die Kritik innerhalb Islands an den fortwährenden Walfangaktivitäten erhielt in den vergangenen Tagen auch neue Unterstützung, in dem sich die Umweltministerin Thórunn Sveinbjarnardóttir klar von diesen distanzierte.

„Die Forderungen der isländischen Walfanglobby sind eine reine Provokation gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft aber auch gegenüber der eigenen Regierung. Es gibt in Island selbst keinen Absatzmarkt für derartige Mengen an Walprodukten. Eine solche Forderung zu einem Zeitpunkt zu stellen, in der die Versuche der Walfangstaaten den Handel mit Walprodukten zu legalisieren fehlgeschlagen sind, kommt einer wirren Trotzreaktion gleich, der aber mit entsprechender Ernsthaftigkeit entgegengetreten werden muss“ sagt Entrup von der WDCS.


Für weitere Informationen: Nicolas Entrup, WDCS, vor Ort bei der CITES COP14 in Den Haag, Tel. + 49 171 1423 117, E-Mail: nicolas.entrup@wdcs.org, www.walfang.org

Der letzte CITES-Tag - der Tag der Wale

Friday, 15. June 2007

die Sitzung wurde unterbrochen, es herrscht Chaos und in wenigen Minuten geht es weiter. Die Stimmung ist aufgeheizt. Das Thema: wird die Diskussion über die Überprüfung der Listung des Finnwales wieder aufgenommen oder nicht. Ich werde morgen ausführlich berichten, was hier in den letzten Stunden alles passiert ist und noch passieren wird. Aber das hier ist nichts für schwache Nerven...



Island: Diskussion über Walfang verschärft sich

Tuesday, 12. June 2007

Umweltministerin Thórunn Sveinbjarnardóttir hat erneut in einem Interview mit der isländischen Tageszeitung “Morgunbladid” bekräftigt, dass Sie die Walfangaktivitäten ihres Landes nicht gut heißt. Diese Position steht klar im Gegensatz zu der Politik ihres Kollegen, Fischereiminister Einar K. Gudfinnsson, der an den kommerziellen und “wissenschaftlichen” Walfangaktivitäten festhalten möchte.

Sveinbjarnardóttir wird wie folgt zitiert: “Bis heute hat mich noch niemand überzeugen können, dass sich kommerzieller Walfang bezahlt macht”. Es zeichnet sich eine Intensivierung des Diskussion innerhalb der isländischen Regierung und des Parlamentes mit Ende der diesjährigen Walfangsaison ab.

Der isländische Fischereiminister bezeichnet die bisherigen Walfangaktivitäten als erfolgreich. Mich interessieren die Kriterien, die zu so einem Kommentar Anlass geben:

-) die Veröffentlichung oder Nichtveröffentlichung von Daten?
-) der Absatz oder Nichtabsatz von Walprodukten?
-) der Beitrag für das Image Islands?

Oder war es einfach eine weitere von vielen verbalen Seifenblasen?
Die Aktzeptanz internationaler Beschlüsse und die Bewertung der Arten- und Tierschutzpolitik dürften dabei auf jeden Fall keine Rolle gespielt haben.

Wale: alles noch einmal

Tuesday, 12. June 2007

Okay, man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen: die Pro-Walfangseite wird im Plenum nochmals versuchen, die Entscheidung der vergangenen Wochen ungültig zu machen und vielleicht sogar den japanischen Antrag neu einzubringen.

Zur Erinnerung:

Australiens Vorschlag „solange keine Überprüfung der Listung von Großwalarten in Anhang I durchzuführen, wie das kommerzielle Walfangverbot – Moratorium – der IWC in Kraft ist“ wurde mit einer 2/3 Mehrheit angenommen. Dies war ein Entscheid, der die von Island vorgeschlagene Überprüfung der Listung des Nordatlantischen Finnwales innerhalb des Tierausschusses stoppte. Zur Wiederaufnahme der Diskussion benötigt ein Antragsteller lediglich die Unterstützung von 1/3 des Plenums und danach muss der Entscheid erneut mit 2/3 bestätigt werden. Das wird nicht leicht sein.

Für den japanischen Antrag der die Überprüfung aller Großwalarten in Anhang I vorsieht, benötigt Japan nach Wiederaufnahme der Diskussion jedoch eine 2/3 Mehrheit zur Annahme und ist somit eher unwahrscheinlich.

Seit gestern trudeln nun stetig bekannte Gesichter ein. Alles Lobbyisten der Pro-Walfangseite, die wir noch vor wenigen Tagen in Anchorage am Werk sahen. Somit ist es klar, dass sie nochmals alles daran setzen werden, um einen letzten Versuch zu unternehmen, hier das Ruder aus deren Sicht herumzureißen.

Wir erwarten die Diskussion im Plenum für Donnerstag.

Ihr

Nicolas Entrup

SSN in Action

Thursday, 7. June 2007

Jeden Tag organisiert das Species Survial Network (SSN) gegen 8.00 Uhr in der Früh ein kurzes Koordinationstreffen, sodass sich die Kampaigner hier rasch über aktuelle Entwicklungen austauschen können. Dies ist ungemein hilfreich, bedenkt man, dass an der Konferenz ca. 1800 Personen teilnehmen.

SSN ist eine Koalition aus mehr als 80 Non Governmental Organisations (NGOs), die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass Arten, die durch internationalen Handel gefährdet sind, im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens den notwendigen Schutz erfahren. Die WDCS agiert als Koordinator der Arbeitsgruppe zu Walen und Delfinen, die zahlreiche Kommentare und Expertisen zu den bei CITES diskutierten Walanträgen erstellt.

Es ist eine große Ehre mit solch engagierten Kampaignern hier vor Ort an einem Strang zu ziehen und zeigt, wie eng und positiv die Zusammenarbeit der einzelnen Organisationen funktionieren kann.

SSN bietet auf deren Webseite auch Einblick in die zahlreichen wichtigen Themen der 14. CITES Vertragsstaatenkonferenz:

www.ssn.org

Für all jene, die sich für Schutzbemühungen auch zu anderen Artenkomplexen interessieren, hier einige Empfehlungen:

www.prowildlife.de
www.ifaw.de
www.eia-international.org
www.hsi.org

Der Tag danach

Thursday, 7. June 2007

Das gestrige Ergebnis ist in der Tat eine große Erleichterung, wenn wir auch trotzdem weiterhin die Entwicklung hier im Auge behalten müssen. Von den 172 Mitgliedsstaaten waren nur etwas mehr als 100 stimmberechtigt, sodass sich in den kommenden Tagen hier noch einiges bewegen und Japan die Diskussion im Plenum kommende Woche wieder aufnehmen kann.

Unser Team widmet sich nun Bereichen und Diskussionen im Rahmen der Artenschutzkonferenz, die im weiteren Kontext ebenfalls den Schutz von Walen und Delfinen beeinflussen. So z. B. der Diskussion über „Livelihoods“ innerhalb der Artenschutzkonferenz, die im Wesentlichen darum geht, dass zahlreiche Staaten anführen, der Handel gefährdeter Tier- und Pflanzenarten könne zur Reduktion der Armut beitragen. Dieses von der Europäischen Union, Argentinien, China und Nicaragua vorgelegte Dokument ist aber aus vielerlei Hinsicht problematisch, da es inhaltlich völlig orientierungslos ist und keine klaren Definitionen beinhaltet. Uns geht es in dieser Debatte vor allem darum, anzuführen, dass aus sozioökonomischen Gesichtspunkten vor allem die nicht letale Nutzung von Wildtieren als wichtiger Faktor berücksichtigt werden muss.

Rückblick auf die heutige Wal - Debatte

Wednesday, 6. June 2007

Japan präsentierte seinen Vorschlag und gab vor, dass es sich bei dem Antrag weder um Walfang noch um vorwiegende kommerzielle Handelsinteressen handelt, sondern lediglich um die Glaubwürdigkeit von CITES. Die Listungskriterien seien für viele Walarten nicht mehr erfüllt, und man müsse diese Kriterien aber für alle Arten gleich anwenden. Der Vorschlag stehe auch in keinem Widerspruch zur bei der IWC-Tagung beschlossenen Resolution.

Unterstützt wurde Japan in der Diskussion von Norwegen, Senegal, St. Kitts & Nevis, das in der Ablehnung des Antrages erneut einen imperialistischen Angriff auf arme Staaten sieht und China, sowie Grönland, das jedoch ausschließlich einen Kommentar abgab, jedoch kein eigenes Stimmrecht hat.

Die Reaktion auf den Antrag fiel stark, fundiert und intensiv aus.
Australien bezog sich auf die Beziehung zwischen CITES und der IWC, sowie die Rolle des IWC-Wissenschaftsausschusses als Gremium zur Überprüfung der Situation von Walbeständen. In Folge führte Australien zahlreiche Beispiele an, wie stark gewisse Walarten in den vergangenen Jahrzehnten reduziert wurden.

Argentiniens Statement wurde im Namen zahlreicher lateinamerikanischer Staaten, darunter Brasilien, Ecuador, Guatemala, Mexiko, Uruguay etc., getätigt und verwies erneut darauf, dass sich sowohl der japanische als auch der isländische Antrag gegen bestehende Resolutionen richten. Großwale sollen in Anhang I bleiben.

Deutschland, stellvertretend für die Europäische Union (EU), berief sich auf das von der EU zirkulierte Informationsdokument (die bei der IWC beschlossene Resolution) und zitierte die wichtigsten Forderungen dieser Resolution. Auch sei der Prozess im Tierausschuss nicht akzeptabel.

Brasilien verwies auf die Bedeutung nicht-letaler Nutzung von Walen und die diesbezüglich verabschiedete Resolution bei der IWC.

Im Anschluss durften zwei Nicht-Regierungs-Organisationen den vorliegenden Antrag Japans kommentieren.

Zunächst ergriff die Pro-Walfang-Lobbyinggruppe IWMC World Conservation Trust das Wort und verwies darauf, dass Japan ja auch die anfallenden Kosten, die bei der Überprüfung der Situation von Großwalen anfallen, übernehmen werde.

Danach kommentierte der Leiter der WDCS-Wissenschaftsabteilung, Mark Simmonds, den Antrag.

Der WDCS-Kommentar kann hier eingesehen werden:

WDCS_interventiononwhales_060607.pdf


Danach wurde der Antrag zur Abstimmung gebracht.... siehe Einträge dazu weiter unten.



Nicolas Entrup
WDCS

Was hatte es mit Islands Antrag auf sich?

Wednesday, 6. June 2007

Mit dieser Frage werde ich hier öfters konfrontiert, sodass ich hier kurz darauf eingehen möchte.

Offiziell liegt bei der aktuellen Artenschutzkonferenz den Vertragsstaaten nur ein Antrag – Dokument 51 (Antragsteller Japan) - vor, der zu einer möglichen Legalisierung des Handels mit Walprodukten führen könnte. In unseren Aussagen sprechen wir aber auch von einem entsprechenden Antrag Islands. Warum? Hier die Erläuterung:

Im Herbst 2006 fand im Tierausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) ein überraschender Antrag Islands Zustimmung, den Nordatlantischen Finnwal einer Überprüfung zu unterziehen, ob dessen Listung in Anhang (Verbot des kommerziellen Handels) noch gerechtfertigt sei. Diese Empfehlung würde nun in Abstimmung mit dem Ständigen Ausschuss von CITES beschlossen oder eben zurückgewiesen werden. Dieser Ausschuss, der kurz vor Beginn der Vertragsstaatenkonferenz tagte, kam jedoch nicht zu diesem Tagesordnungspunkt – da die Diskussion über Elefanten entsprechend Zeit benötigte und wurde zur Behandlung an die Vertragsstaaten verwiesen. Diese Entscheidung war wichtig und korrekt, da Japans Antrag – ALLE Großwalarten einer solchen Prüfung zu unterziehen – den Vertragsstaaten vorliegt. Am Eröffnungstag hatte bereits Argentinien, die Rechtmäßigkeit der Empfehlung des Tierausschusses angezweifelt, da diese gegen gültige CITES-Beschlüsse (Res. 11.4) verstößt. Deutschland, im Namen der EU, schloss sich dieser Auffassung an.

Im Anschluss an die Diskussion über den japanischen Antrag wurde dann auch die Empfehlung des Tierausschusses aufgegriffen, da Australien meinte, dass diese auch vom Tisch sein sollte, da Japans Antrag auch Finnwale beinhaltet und somit man konsequent auch den Prozess im Tierausschuss stoppen sollte.

Nach einer längeren Diskussion wurde Australien gebeten, einen Vorschlag zu machen, welche Formulierung es für eine Instruktion der Vertragsstaaten an den Tierausschuss vorsieht.

Australiens Vorschlag im originalen Wortlauf:

“No periodic review of any great whale including the fin whale should occur while the moratorium by the IWC is in place” (Solange das kommerzielle Walfangverbot der IWC in Kraft ist, soll keine Überprüfung von Großwalarten, inklusive Finnwalen, stattfinden).

Im Anschluss wurde über diesen Vorschlag abgestimmt. Das Ergebnis war noch eindrucksvoller als jener zum japanischen Antrag:

Zustimmung für den Vorschlag Australiens: 60
Ablehung: 23
Enthaltung: 13

Wird diese Entscheidung im Plenum kommende Woche bestätigt, wäre dies ein absoluter Erfolg für den Walschutz.


Nicolas Entrup
WDCS

Absage an „Wal-Biodiversität“ auf der Speisekarte

Wednesday, 6. June 2007

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Ein ausführlicher Kommentar folgt demnächst...
Hier unsere aktuelle Pressemitteilung zum heutigen Ausgang.
Es besteht für Japan noch die Möglichkeit, die Diskussion kommende Woche neu aufzubringen, aber das Ergebnis heute war schon unglaublich eindrucksvoll!
Mehr später...


Nicolas Entrup
WDCS


Absage an „Wal-Biodiversität“ auf der Speisekarte

Japanische und Isländische Walfänger scheitern auch auf Artenschutzkonferenz in Den Haag

Den Haag, 5. Juni 2007: Japan und Island scheitern bei der internationalen Artenschutzkonferenz (CITES/Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) in Den Haag mit dem Versuch, den Handel mit Walprodukten zu legalisieren. Eine Woche nachdem die Internationale Walfangkommission (IWC) den ambitionierten Plänen der japanischen Walfänger eine Absage erteilt hatte, ist damit auch der zweite Versuch der Japaner, das seit 1982 bestehende Walfangverbot zu unterwandern, gescheitert.

Dabei hatten die Japaner versucht, mit dem harmlos klingenden Begriff einer “Überprüfung aller Großwalbestände” bei der Artenschutzkonferenz (CITES) die Kompetenz der Walfangkommission IWC zu unterminieren. Traditionell verlässt sich CITES auf die Empfehlungen der für die Regulierung des Walfangs zuständigen IWC und entscheidet dann, ob auch der Handel zu verbieten ist. Die IWC hatte aber in der Vorwoche in Anchorage eine eindeutige Empfehlung abgegeben, dass Wale weiterhin bedroht sind und eine Legalisierung des Handels mit Walprodukten diese Situation verschärfen würde.

Die Japanischen Walfänger allerdings suchen nach neuen Absatzmärkten für Walprodukte, die jährlich unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Walfangs angehäuft werden und mehr als 1000 Walen das Leben kosten. Dabei geraten bedrohte und gefährdete Arten, darunter Zwerg- und Pottwale, sowie Bryde-, Sei- und Finnwalen ins Visier der Walfänger. Ist der kommerzielle Walfang international untersagt, so ist das Töten von Walen für die wissenschaftliche Forschung gänzlich unreguliert. „Ernsthafte Forschungsergebnisse haben aber weder Japan noch die anderen Walfangstaaten bisher präsentieren können“, so Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. „Der einzige erkennbare Effekt ist, dass die Speisekarten in japanischen Restaurants immer umfangreicher werden. Uns geht es jedoch um einen umfassenden Walschutz und Erhaltung der Artenvielfalt in der Natur und nicht auf der Speisekarte“. Mit dem nächsten Jahr will Japan auch 50 Buckelwale in dem seit 1994 bestehenden antarktischen Walschutzgebiet töten.

Der Antrag Japans sah vor, alle Walarten, die in Anhang I bei CITES gelistet sind, einem Überprüfungsverfahren zu unterziehen, das zu einer Herablistung einiger Arten führen soll, um den internationalen Handel zu legalisieren. Eine solche Situation würde die Jagd auf Wale finanziell lukrativ und das bestehende Walfangverbot unvollziehbar machen.

Island hatte vergangenen Herbst 2006 im CITES-Tierausschuss einen Antrag zur Überprüfung der Situation des Nordatlantischen Finnwales eingebracht, der zunächst auch – entgegen CITES Bestimmungen – Zustimmung erhielt. Die Vertragsstaatenkonferenz hat jedoch im Anschluss an die Diskussion über Japans Antrag den Prozess im Tierausschuss gestoppt. „Die Walfänger versuchen mit allen Mitteln und auf allen Wegen, den Handel mit Walprodukten zu legalisieren", warnt Entrup.

Japans Antrag wurde mit 28 (Zustimmung) zu 55 (Ablehnung) und 13 (Enthaltungen) abgelehnt. Das genaue Resultat wird erst am Folgetag veröffentlicht, da es gegenwärtig mit dem elektronischen Abstimmungsverfahren weiterhin technische Probleme gibt.

Islands Vorstoß zu einer Überprüfung der Situation des Finnwals wurde ebenfalls abgewiesen, und der Tierausschuss aufgefordert, die Überprüfung nicht durchzuführen.

Japan hat noch die Möglichkeit in der kommenden Woche, den Antrag in abgeänderter Form noch einmal einzubringen und zur Abstimmung zu bringen.


Für weitere Informationen: Nicolas Entrup, WDCS, vor Ort in Den Haag, Mobil. + 49 171 1423 117, E-Mail: nicolas.entrup@wdcs.org, www.walfang.org

Species Survival Network

Die WDCS ist Mitglied des „Species Survival Network” (SSN). SSN ist eine Koalition aus mehr als 80 Non Governmental Organisations (NGOs), die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass Arten, die durch internationalen Handel gefährdet sind, im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens den notwendigen Schutz erfahren. Die WDCS agiert als Koordinator der Arbeitsgruppe zu Walen und Delfinen, die zahlreiche Kommentare und Expertisen zu den bei CITES diskutierten Walanträgen erstellt.

Na wenn das mal gut geht…

Wednesday, 6. June 2007

Einige europäische Staaten sind hier bei CITES noch nicht stimmberechtigt, weil es Formalfehler bei den dafür notwendigen Dokumenten gibt. Eigentlich unfassbar, aber so ist es. Man kann nur hoffen, dass sie dies über Nacht geregelt haben, denn heute Früh steht gleich die Diskussion über Japans und Islands Walanträge an und die Wale brauchen jede Stimme, um diese Anträge abzuwenden! Die Stimmung hier ist grundsätzlich angespannt...
Ich bin nervös.